Die Kosten für eine heileurythmische Behandlung können als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden

Die Klägerin ist Pensionärin und ging im Jahr 2009 36 Mal zu einer heileurythmischen Behandlung. Heileurythmie ist eine Bewegungstherapie, die zwar zur anthroposophischen Medizin gehört; jedoch gesetzlich der Schulmedizin gleichgestellt wird. Eine Behandlung dauert 45 Minuten und Kostet 45 Euro. Sie machte in ihrer Einkommensteuererklärung diese Kosten in Höhe von insgesamt 1.620 Euro als außergewöhnliche Belastungen geltend. Um dies zu belegen legte sie ärztliche Verordnungen ihres Allgemeinarztes bei.

Das Finanzamt berücksichtige die Kosten nicht, da es davon ausging, dass die Aufwendungen der Frau nicht zwangsläufig entstanden sind. Für die Belegung der Zwangsläufigkeit von Heilkosten bedürfe es eines Amtsärztlichen Attests welches die Frau nicht vorgelegt hatte.

Daraufhin erhob sie Klage beim zuständigen Finanzgericht. Dieses gestand ihr die Kosten zum Abzug als außergewöhnliche Belastungen zu. Gegen diese Entscheidung wandte sich das Finanzamt mit genannter Begründung an den BFH.

Der BFH entschied, dass die Kosten für die heileurythmische Behandlung steuermindernd als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig sind. Außergewöhnliche Belastungen liegen dann vor, wenn dem Steuerpflichtigen größere Aufwendungen zur Last fallen als anderen Steuerpflichtigen derselben Einkommensverhältnisse, Vermögensverhältnisse und Familienstands. Diese Aufwendungen müssen ihm zwangsläufig erwachsen, er darf sich ihnen aus tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen können. Es ist ständige Rechtsprechung, dass Krankheitskosten dem Steuerpflichtigen immer zwangsläufig erwachsen. Sie werden dann berücksichtigt, wenn sie entweder zur Heilung notwendig sind oder um dem Steuerpflichtigen die Krankheit erträglicher zu machen. Das ist aber nur dann der Fall, wenn die Heilmethoden nach den Erkenntnissen und Erfahrungen der Heilkunde und nach den Grundsätzen eines gewissenhaften Arztes zur Heilung oder Linderung der Krankheit beitragen können. Grundsätzlich bedarf es für die Anerkennung dieser Heilungskosten eines Amtsärztlichen Attestes, welches die Klägerin hier nicht habe. Bei sogenannten „besonderen Therapierichtungen“ wie sie im Sozialgesetzbuch genannt sind, bedarf es eines solchen Attestes aber nicht. Und genau um eine solche Therapierichtung handelt es sich auch bei der heileurythmischen Behandlung mit der Folge, dass sie zur Belegung kein amtsärztliches Attest benötigt. Da die Klägerin hier ein Attest ihres Allgemeinarztes eingereicht hat, hat sie damit hinreichend die Zwangsläufigkeit der Kosten nachgewiesen. Die Kosten können daher steuermindern als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden.

Urteil VI R 27/13 BFH vom 26.02.2014