Fragen zum häuslichen Arbeitszimmer

Was genau versteht man unter einem häuslichen Arbeitszimmer?

Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der nach seiner Lage, Funktion und Ausstattung in den häuslichen Bereich des Steuerpflichtigen eingebunden ist und dazu dient gedankliche, schriftliche oder verwaltungstechnische Aufgaben zu erledigen.
Es ist also zu unterscheiden zwischen den optischen Voraussetzungen des Raumes und seiner Nutzung.

Das Arbeitszimmer muss mit der privaten Wohnung oder dem Wohnhaus verbunden sein. Typischerweise ist es mit Büromöbeln und einem Schreibtisch ausgestattet. Private Gegenstände, wie etwa Fernseher, private Literatur, Kleiderschränke oder sonstige Haushaltsgegenstände können dagegen den Anschein einer privaten Nutzung erwecken.

Das Arbeitszimmer muss zusätzlich zur optischen Komponente auch nahezu ausschließlich zur betrieblichen oder beruflichen Nutzung bestimmt sein.

Kein häusliches Arbeitszimmer stellen deshalb Räume dar, die zusätzlich zum Erledigen von (Büro)arbeiten auch für private Zwecke genutzt werden, wie etwa Durchgangszimmer oder Zimmer, in denen nur eine (wenn auch große) Arbeitsecke vorhanden ist. Ob die Kosten für solche gemischt-genutzten Räume aufteilbar sein könnten, hat der Große Senat des Bundesfinanzhofes gerade in einer Grundsatzentscheidung zu entscheiden gehabt. IEr entschied, dass in solchen Räumen die Abgrenzung zwischen der privaten und der betrieblichen Sphäre kaum möglich ist und es sich deshalb schon gar nicht mehr um ein häusliches Arbeitszimmer handelt. Aus diesem Grund ist auch eine Aufteilung zwischen privaten und betrieblichen Kosten nicht möglich (BFH Beschl. v. 27.7.2015, GrS 1/14).

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Wann kann man Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen?

Der Abzug von Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer ist grundsätzlich gemäß §4 Abs. 5 Nr. 6b EStG gar nicht möglich. In bestimmten Ausnahmen kann ein Abzug aber dennoch erfolgen:

Entweder, das häusliche Arbeitszimmer ist der einzige zur Verfügung stehende Arbeitsplatz, oder es stellt den Mittelpunkt der kompletten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit dar.

Wenn das Arbeitszimmer der einzige zur Verfügung stehende Raum für die Erledigung von Büroarbeiten ist, wie dies beispielsweise häufig bei Lehrern der Fall ist, können die Kosten gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 6b S. 3 EStG bis zur Höhe von 1.250 Euro pro Jahr berücksichtigt werden.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Finanzamt diesen Pauschbetrag in Höhe von 1.250 Euro pro Jahr immer auf ein Objekt bezieht, das heißt, auf die Nutzung eines Arbeitszimmers. Bei einem Ehepaar, welches das Arbeitszimmer gemeinsam nutzt kann ein Ehepartner den Pauschbetrag nur anteilig geltend machen; nicht aber jeder Ehepartner den vollen Betrag für sich (Urteil 3 K 447/12 FG Baden-Württemberg v. 21.02.2013). Ob dieses Urteil rechtmäßig ist hat gerade der Bundesfinanzhof zu entscheiden.

Stellt dagegen das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit dar, wie beispielsweise bei Heimarbeitern oder Selbstständigen, sind die anfallenden Kosten nach § 4 Abs.5 Nr. 6b S.3 Hs.2 EStG sogar unbeschränkt abzugsfähig.

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Welche Kosten und in welcher Höhe kann man absetzen?

Kosten, welche sich auf die gesamte Wohnung oder das gesamte Wohnhaus belaufen, können anteilig in Höhe des Verhältnisses der Größe von Arbeitszimmer zur Wohnung abgezogen werden.
Anteilig abziehbar sind dementsprechend die Miete oder die Gebäudeabschreibung, Nebenkosten wie Wasser und Stromkosten, Müllabfuhrgebühren, Grundsteuer und Gebäudeversicherungen.
Für das Arbeitszimmer selbst können auch Renovierungskosten sowie die Ausstattung des Raumes abgezogen werden. Bei der Raumausstattung ist zu beachten, dass Arbeitsmittel immer nach § 9 EStG als Werbungskosten abzugsfähig sind, da sie zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen dienen. Das gilt sogar dann, wenn das häusliche Arbeitszimmer nicht als solches Anerkannt wird.

Nicht abzugsfähig sind dagegen Luxusgegenstände, die nur zur Verschönerung des Raumes dienen sollen wie beispielsweise teure Gemälde oder andere Dekorationen.

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