Für einen Hochschullehrer ist das häusliche Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt seiner betrieblichen und beruflichen Tätigkeit

Der Kläger ist Hochschullehrer an einer Universität und bezieht daher Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit. 2007 machte er Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer in Höhe von 1.080 Euro als Werbungskosten geltend.

Das Finanzamt lehnte die Berücksichtigung mit der Begründung ab, das Arbeitszimmer bilde nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit.
Eine daraufhin erhobene Klage wies das zuständige Finanzgericht als unbegründet ab.

Dagegen wandte sich der Kläger mit der Begründung, dass sowohl der quantitative als auch der qualitative Schwerpunkt seiner beruflichen Tätigkeit sich in seinem Arbeitszimmer abspiele. Seine Tätigkeit als Hochschullehrer umfasse gleichermaßen die Lehre und die Forschung. In seinem Arbeitszimmer bereite er die Lehre, also die Vorlesungen, in seiner eigenen Bibliothek vor. Auch für jegliche Forschungsarbeit verwende er ausschließlich sein häusliches Arbeitszimmer. Auch das korrigieren von Prüfungsarbeiten übe er in seinem Arbeitszimmer aus. Dies sei zeitlich viel höher zu gewichten als das abhalten von mündlichen Prüfungen.

Aus diesen Gründen überwiege sowohl zeitlich als auch qualitativ die Nutzung des Arbeitszimmers gegenüber der Arbeit an der Universität.

Der BFH entschied daraufhin, dass die Kosten für das Arbeitszimmer nicht als Werbungskosten abgezogen werden können. Voraussetzung für einen Abzug ist nach §9 Abs.5 i.V.m. § 4 Abs.5 Nr. 6b EStG, dass das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist. Was genau den Mittelpunkt der Tätigkeit ausmacht ist nicht genau definiert. Bei Tätigkeiten, die teilweise zu Hause und teilweise am Arbeitsplatz ausgeübt werden, kommt es aber darauf an, ob im Arbeitszimmer diejenigen Handlungen vorgenommen werden, die für den ausgeübten Beruf wesentlich und Prägend sind.

Das wesentliche für die berufliche Tätigkeit eines Hochschullehrers ist die Lehre und diese hat in der Universität stattzufinden und nicht im häuslichen Arbeitszimmer. Auch wenn der Kläger daher einen größeren zeitlichen Teil seiner Tätigkeit in seinem Arbeitszimmer verbringt, kann dies nicht den Mittelpunkt seiner beruflichen Tätigkeit ausmachen.

Urteil VI R 71/10 BFH v.27.11.2011