Gewinne aus Pokerturnieren können im Einzelfall steuerliche Einkünfte aus Gewerbebetrieb darstellen

Der Kläger ist Pilot und erzielt deshalb Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit. Zusätzlich spielt er seit fast 20 Jahren Poker in den Varianten „Texas Hold´ em“, „Omaha Limit“, „Omaha Pot Limit“ und „Seven Card Stud“ in Casinos oder Turnieren. Im Jahr 2008 wurden 81 Casinobesuche des Klägers registriert. Im Jahr 2008 nahm er an zahlreichen Turnieren teil und landete häufig auf den oberen Plätzen. Dabei erzielte er Einnahmen in Höhe von 121.686,59 Euro.

Auf eine Anfrage im Jahr 2006 beim Finanzamt ob Pokereinkünfte steuerpflichtig seien antwortete das zuständige Finanzamt, dass dem nicht so sei. Nachdem die Steuerfahndung auf die Turnierlisten aufmerksam wurden, wies sie das Finanzamt daraufhin, dass Pokereinnahmen steuerpflichtig seien. Anschließend qualifizierte das Finanzamt die Pokergewinne des Klägers für das Jahr 2008 in geschätzter Höhe als Einnahmen aus Gewerbebetrieb.

Daraufhin erhob der Kläger Klage und begründete diese damit, dass die Preisgelder als Glücksspielgewinne nicht steuerbar wären. Die Frage die somit zu entscheiden war ist, ob Gewinne aus Pokerturnieren steuerbare Einkünfte darstellen können.

Das FG Köln entschied, dass die Preisgelder des Klägers als Einkünfte aus Gewerbebetrieb zu qualifizieren seien und damit steuerbare Einkünfte darstellen. Ein Gewerbebetrieb ist eine selbstständige nachhaltige Tätigkeit, die mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt und keine private Vermögensverwaltung darstellt.
Besonders problematisch sei hier die Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr. Dafür muss eine Leistung am Markt gegen Entgelt für Dritte äußerlich erkennbar angeboten werden. Dabei muss das Entgelt nicht fest gelegt sein, es kann auch erfolgsabhängig sein.

Der Kläger habe hier seine Pokerleistungen gegen Entgelt an den Turnierveranstalter angeboten. Problematisch sei nur, dass bei Glücksspielen das Entgelt kein festgelegtes ist, sondern eher ein Gewinn, dessen Erzielung nicht sicher ist. In dieser vorliegenden, besonderen Situation aber war das Gewinnen des Geldes eher vom spielerischen Können des Klägers abhängig, als von Glück. Der Kläger ist kein Durchschnittsspieler, bei dem noch das Glück über dem Geschicklichkeitselement steht. Vielmehr verfügt er über besondere Fähigkeiten bezüglich des Pokerns, die es ihm ermöglichen sein Geschick über den Glücksfaktor zu stellen und somit die Gewinnchancen drastisch zu erhöhen. Bei den von dem Kläger häufig gespielten Pokervarianten handelt es sich außerdem um Varianten die einem erhöhten Geschicklichkeitsfaktor zugänglich sind und weniger vom Glück abhängen.

Aufgrund dieser komplexen Betrachtung des Einzelfalls muss hier eine Beteiligung am wirtschaftlichen Verkehr angenommen werden. Der Kläger handelte auch mit Gewinnerzielungsabsicht, da er häufig an hochdotierten Turnieren teilnahm. Die Aussage des Finanzamtes im Jahr 2006, Pokergewinne seien nicht steuerpflichtig, beruhte nur auf dem 2006 ihm bekannten Sachverhalt und spricht daher nicht gegen eine Annahme von Einkünften aus Gewerbebetrieb.

Urteil 12 K 1136/11 FG Köln v.31.10.2012