Steuerliche Fragen zu Ausbildungskosten

Welche Kosten können als Ausbildungskosten steuerlich berücksichtigt werden?

Ausbildungskosten sind alle Kosten, die für das Studium oder die Ausbildung notwendigerweise anfallen oder dessen Erhalt dienen. Typischerweise sind dies:

  • Kosten für die Semestergebühren
  • Kosten für Arbeitsmittel wie beispielsweise Fachliteratur, Arbeitsmaterialien wie Blöcke, Stifte, Hefter, Computer, Schreibtisch
  • Kosten für die Fahrt zur Ausbildungsstätte
  • Anfallende Kosten für vorgeschriebene Praktika
  • Zinsen für ein Bildungsdarlehen

Bei der Frage ob und wie Berufsausbildungskosten von der Steuer abgesetzt werden können kommt es zum einen darauf an, ob es sich um die erste oder eine weitere Ausbildung handelt und zum anderen, ob mit dem erlernten Beruf danach auch das Geld verdient wird.

Kosten für eine Weiter- oder Fortbildung können unabhängig von dieser Frage immer als Werbungskosten geltend gemacht werden, da sie in unmittelbarem Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit stehen.

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Wie können die Kosten für eine Erstausbildung steuerlich abgesetzt werden, die außerhalb eines Dienstverhältnisses stattfindet?

Die Erstausbildung ist beispielsweise auch das erste Studium, welches typischerweise nicht in einem Dienstverhältnis stattfindet. Das hat zur Folge, dass der Student kein zu versteuerndes Einkommen erzielt. Wie die Kosten, die für solch eine Ausbildung aufgewendet werden, steuerlich berücksichtigt werden können, kommt darauf an, ob mit diesem Studium im Anschluss Geld verdient wird oder nicht.

Da Werbungskosten nach § 9 EStG alle Ausgaben sind, die dem Erwerb oder der Sicherung des Berufs (der Einkunftsquelle)dienen, können diese Kosten nur als Werbungskosten abgezogen werden, wenn anschließend mit der Ausbildung Geld verdient wird. In diesem Fall wäre der Abzug der Höhe nach unbegrenzt möglich.
Wird mit der Ausbildung/dem Studium im Anschluss kein Geld verdient handelt es sich seit 2004 um „Kosten der privaten Lebensführung“. Diese können nur als Sonderausgaben abgezogen werden. Dies hat zwei Nachteile:

1. Zum einen ist der Abzug von Sonderausgaben auf 6000 Euro im Jahr beschränkt.

2. Zum Anderen können Sonderausgaben immer nur in dem Jahr abgezogen werden, in dem sie entstanden sind. Das führt zu dem Problem, dass sie häufig gar nicht abzugsfähig sind, da beispielsweise ein Student, der nicht in einem Dienstverhältnis steht, in diesem Jahr noch kein Einkommen erzielen wird und damit auch seine Sonderausgaben nicht steuerlich geltend machen kann.

Der BFH hält die Einordnung von Erstausbildungskosten als Sonderausgaben daher für verfassungsrechtlich problematisch und hat dies dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt ( BFH vom 17.07.2014 VI R 2/12, VI R 8/12), welches darüber noch nicht entschieden hat.

Studenten können bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ihre Kosten als Werbungskosten angeben und einen Verlustfeststellungsbescheid beantragen. Dann kann die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts noch nachträglich berücksichtigt werden.

zu Ausbildungskosten Teil 2