Umzugskosten für den Umzug zum Arbeitsort können als Werbungskosten abgezogen werden

Die Klägerin war seit 2004 an einer Schule als Lehrerin tätig. Danach hatte sie einige Jahre ihren Wohnsitz im Ausland, wo sie als freie Mitarbeiterin für verschiedene Auftraggeber tätig war. Unter anderem unterrichtete sie Deutsch als Fremdsprache und bereitete deutsche Prüfungen der Handelskammer vor. Aufgrund des zurückgehenden Tourismus in ihrem Gastland sah sie sich gezwungen wieder nach Deutschland zurückzukehren. Als sie die Gelegenheit bekam wieder in ihrer alten Arbeit tätig zu werden, machte sie 2010 die Umzugskosten, die aus den Kosten für den Transport des Umzugsguts und aus der ersten Fahrt zum neuen Wohnort bestanden, beim Finanzamt steuerlich geltend.

Das Finanzamt lehnte die Geltendmachung der Umzugskosten mit einem Einkommensteuerbescheid vom 21.04.2011 mit der Begründung ab, sie seien nicht beruflich bedingt gewesen. Es führte aus, dass Umzugskosten nur dann als Werbungskosten abziehbar sind, wenn sie fast ausschließlich beruflich bedingt sind und nur zu einem kleinen Teil privat veranlasst. Dies sei vorliegend jedoch nicht der Fall, da der Umzug zu einem Zeitpunkt stattfand zu dem die Klägerin bereits wieder auf ihrer alten Arbeitsstelle tätig war.
Dagegen legte die Klägerin Einspruch ein und behauptete, dass die Kosten beruflich bedingt sind. Der Mietvertrag für die Wohnung in ihrem Gastland sei erst zum 01.04.2010 ausgelaufen, sodass sie erst in den Osterferien 2010 in die neue Wohnung ziehen konnte. Aus diesem Grund seien die Umzugskosten beruflich bedingt gewesen.
Zu klären war hier demnach, ob die Umzugskosten der Klägerin steuerlich bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit als Werbungskosten berücksichtigt werden können.

Das niedersächsische FG entschied, dass es sich bei den Umzugskosten um Werbungskosten nach § 9 EStG handelt. Werbungskosten sind Kosten zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung von Einnahmen. Dazu können auch Umzugskosten gehören, wenn sie ausschließlich beruflich veranlasst sind. Es könne vorliegend nichts anderes für den Fall gelten, dass die Klägerin nach einem langen Auslandsaufenthalt zurückkehrt um ihren alten Beruf wieder auszuüben. Die Motive für den Rückzug seien dabei irrelevant. Der Rückzug der Klägerin war hier eine notwendige Voraussetzung für die Wiederaufnahme ihrer beruflichen Tätigkeit. Sie kann daher die Umzugskosten als Werbungskosten geltend machen.

Urteil 4 K 6/12 Niedersächsisches FG vom 30.04.2012